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«Fahnenflucht»
Von 18,2 Millionen deutschen Soldaten desertierten im Zweiten Weltkrieg 350.000 bis 400.000. Gegen 30.000 von ihnen verhängte die NS-Militärjustiz die Todesstrafe, die in etwa 23.000 Fällen vollstreckt wurde.
In den letzten Kriegstagen wurde gegen „Fahnenflüchtige“ und
„Wehrkraftzersetzer“ kurzer Prozess gemacht. Während Nazi-Generäle
sich zu den westlichen Alliierten absetzen, hängte man die einfachen
Soldaten an Laternenpfähle oder erschoss sie.
Hamburg
Auch Hamburg spielte bei der Aburteilung und Hinrichtung der «Fahnenflüchtigen» und «Wehrkraftzersetzer» eine unrühmliche Rolle. In der Hansestadt wurden Hunderte Militärangehörige zum Tode verurteilt und am Truppenschießplatz am Höltigbaum in Rahlstedt erschossen. Zwei Drittel von ihnen waren Deserteure und «Wehrkraftzersetzer». Weitere vierzig Deserteure wurden im Innenhof des Untersuchungsgefängnisses Holstenglacis geköpft.
Insgesamt sind für Hamburg fast 200 Fälle von Hinrichtungen nachgewiesen.
Nach Abschluss der laufenden Forschungen werden wir präzisere Angaben
machen können.
Rehabilitierung
Bis auf den heutigen Tag erhielt kaum einer der überlebenden
Verurteilten und Angehörigen eine Entschädigung. Die Geste der politischen Rehabilitierung ließ mehr als ein halbes Jahrhundert auf sich warten.
Bereits in den 80er Jahren des 20. Jhs. gab es in Hamburg Initiativen, die an die Deserteure der
Wehrmacht erinnerten. 1990 gründete sich die «Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz», die sich für die politische
Rehabilitierung der Deserteure einsetzte, im Jahr 2002 hob der Deutsche Bundestag die
Wehrmachtsurteile an «Fahnenflüchtigen» auf, im Sommer 2009 machte in Hamburg die
Ausstellung «Was damals Recht war» auf das Thema aufmerksam. Die sogenannten
«Kriegsverräter»
rehabilitierte der Bundestag im Herbst 2009.
Und
die Bundeswehr?
Deutschland führt Krieg, wieder töten deutsche Soldaten.
Soldaten der Bundeswehr, wir fordern euch auf: Beteiligt euch nicht an
Kriegen, nicht an den jetzigen, nicht an den kommenden, nicht in
Afghanistan, nicht anderswo! Verweigert den Krieg!
«Bündnis für ein Hamburger
Deserteursdenkmal»
Unser im Sommer 2010 geschaffenes «Bündnis für ein
Hamburger Deserteursdenkmal» erinnert mit seinen Initiativen an
Menschen, die sich in der Zeit des Nationalsozialismus dem Wehrdienst
und der Kriegsteilnahme entzogen oder verweigert haben und dafür ihr
Leben ließen. Wir erinnern an die Helferinnen und Helfer, an die
couragierten Bürgerinnen und Bürger, die diesen Menschen zur Seite
standen und dafür die tödlichen Konsequenzen trugen.
Zugleich mahnen wir ein dauerhaftes Gedenken und eine dauerhafte Stätte
der Erinnerung an diese Opfer an. Kein Platz ist für ein Deserteursdenkmal geeigneter als
am 76er Kriegerdenkmal am Stephansplatz.
Dem Bündnis gehören an (alphabetisch, Stand Mai 2012):
Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V. | Arbeitskreis Antirassismus der
Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft Hamburg | Auschwitz-Komitee
in der Bundesrepublik Deutschland e.V. |
Bundesvereinigung
Opfer der NS-Militärjustiz e.V.
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Chor
Hamburger GewerkschafterInnen |
Deutsche
Friedensgesellschaft - Internationale der Kriegsdienstgegner e.V. (DFG-IdK) | Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Gruppe Hamburg e.V. | Deutscher Freidenker-Verband LV Nord e.V. | Friedensinitiative
Bramfeld | Geschichtswerkstatt
St. Georg e.V. | Hamburger Bündnis
gegen Rechts | Gruppe
Nord des Vereins Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936-1939
e.V.
|
Hamburger Forum für Völkerverständigung
und weltweite Abrüstung e.V. | Initiative
Europäischer Friedenspfad | Kuratorium Gedenkstätte Ernst Thälmann e.V. Hamburg | NaturFreunde
Landesverband Hamburg e.V. | Projektgruppe
für die vergessenen Opfer des NS-Regimes in Hamburg e.V. | Psychosoziale
Arbeit mit Verfolgten e.V. | Stadtteilkollektiv
Rotes Winterhude | Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen
und Antifaschisten e.V. (VVN-BdA) Land Hamburg |
Willi-Bredel-Gesellschaft
Geschichtswerkstatt e.V. Hamburg.
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